Schüler besuchen Stasi-Gedenkstätte
Von nationaler Geschichte emotional tief bewegt
„Die Nähe zur Geschichte der DDR war beeindruckend!“ (Kim Küper, Schüler Jg. 12) – Spannend und schrecklich zugleich fanden 120 Schülerinnen und Schüler des GAF einen eintägigen Besuch der Stasi- und Geschichtsgedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen. An drei aufeinander folgenden Tagen nahmen die Schüler des Jahrgangs 12 kürzlich an einer Führung durch die ehemalige zentrale Untersuchungshaftanstalt des MfS (Ministerium für Staatssicherheit) und an Workshops teil. In ihnen setzten sich die Schüler u.a. mit der Rolle hauptamtlicher Mitarbeiter und „Inoffizieller Mitarbeiter“, dem Freikauf politischer Häftlinge sowie der Beziehung zwischen Haft und Menschenrechten auseinander.
„Berlin-Hohenschönhausen“ steht als Symbol für politische Verfolgung, Unterdrückung und Willkür in modernen Diktaturen. Bis 1989 war die Lage des Gefängnisses auf keinem Stadtplan Ostberlins verzeichnet. Jetzt erkundeten die Schüler vor Ort Herrschaftsmechanismen des SED-Staates, erfuhren die Entwicklung und persönlichen, vor allem psychischen Folgen totalitärer Herrschaft von Stalin bis Honecker.
Geführt und angeleitet von selbst betroffenen Zeitzeugen waren die Schüler angesichts des Zusammentreffens von politischer Verfolgung und Menschenverachtung einem wahren „Gefühlskarussell“ ausgesetzt, wie es eine Schülerin formulierte. Die Schilderung der erlebten individuellen Ohnmacht gegenüber einer bürokratisierten Geheimpolizei während der Inhaftierung beeindruckte die Schüler ebenso wie die noch 20 Jahre später komplizierte und problematische Täter-Opfer Beziehung. Erstaunt zeigten sich die Schüler im Nachhinein darüber, wie offen die Zeitzeugen über die Vergangenheit ihrer politischen Verfolgung und ihr erlittenes Unrecht reden konnten. Es war ihnen anzumerken, dass es für sie nicht einfach war, ihre Erlebnisse zu berichten.
Der Besuch in Hohenschönhausen konnte gemeinsam mit einer am GAF zuvor präsentierten Ausstellung Schülern vor dem Abitur auch verdeutlichen, wie wichtig die Sicherung und Durchsetzung von Menschenrechten und Grundfreiheiten in allen Ländern der Welt ist. Anna Huhn (Schülerin, Jg.12) wünscht sich deshalb eine Wiederholung ähnlicher Veranstaltungen für ihre Mitschüler. Ihre Erfahrung fasst sie rückblickend knapp zusammen: „So nah wurde mir ein Thema noch nie gebracht!“
(Friedrich W. Ehlers)
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