Skifahren
Skifahren hat im Sportunterricht unserer Schule einen hohen Stellenwert. Regelmäßig finden AG-Skifahrten statt, seit 1974 jedes Jahr nach Reit im Winkl, zusätzlich fahren Skikurse der Oberstufe vor Weihnachten verschiedene Zielorte in den Alpen an: Stubaital, Val d’Isére, La Rosière, Kaprun. Die pädagogischen Erfahrungen sind äußerst positiv, und eine wachsende Zahl von Schülern lässt sich motivieren, über das Erlernen der Skitechniken hinaus auch die größeren Zusammenhänge zu erkunden, in die Skifahren und Sport allgemein in unserer Gesellschaft eingebettet sind.
Die räumliche und jahreszeitliche Gebundenheit des Skifahrens machte es schon immer notwendig, adäquate Unterrichts- und Organisationsformen zu finden, die von der schulischen Routine deutlich abweichen. Der dafür notwendige Organisations-/Arbeitsaufwand, den vor allem die vorbereitenden Lehrer zu tragen haben, wird aufgewogen durch die gemeinsame Erfahrung, dass Schule mehr sein kann als Unterrichtsroutine. Der Wert der Teilnahme an einer solchen Veranstaltung ist für den Schüler kaum zu unterschätzen!
Die Entwicklung des Skitourismus zu einem gesellschaftlichen Massenphänomen ist nicht nur unter sportlichen Vorzeichen interessant, sondern auch in Hinblick auf seine ökonomischen und ökologischen Folgen und das soziale Umfeld, in dem sich der Skisport vollzieht. Schüler , die schon mehrfach gern besuchte Wintersportorte kennengelernt haben, werden sehr schnell auf diese Probleme stoßen. Das Bewusstsein z.B. der ökologischen Gefährdung der Alpenvegetation und damit des Hochgebirgslebensraumes durch den Wintersport verbreitet sich immer weiter und bringt auch die einheimische Bevölkerung in Interessenkonflikte, die dadurch verschärft werden, dass viele Bewohner in diesen Hochgebirgsregionen heute kaum eine andere Existenz- und Einkommenschance haben als in der Fremdenverkehrsindustrie. So fällt es dem Schüler nicht schwer, an Ort und Stelle sowohl durch eigenen Augenschein den tiefgreifenden Strukturwandel des alpinen Kultur- und Siedlungsraumes festzustellen als auch im Gespräch auf kontroverse und z.T. extreme Aussagen über die erwartete zukünftige Entwicklung dieser Gebiete zu stoßen. Im Gegensatz zu einem sportlichen Urlaubsaufenthalt im alpinen Raum, die dem diese Erfahrungen eher beiläufig anfallen und in dem die Tendenz besteht, kritische Perspektiven zu verdrängen, ist es auch Sinn der Skifahrten/Skikurse, gerade dieses gesellschaftliche, geographische und ökologische Umfeld der sportlichen Betätigung durch eigene Erfahrung ins Bewusstsein zu rufen und einer differenzierten, kritischen Diskussion zugänglich zu machen.
(W.Eilers)